Nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica gibt es neue Vorwürfe gegen Facebook. Diesmal geht es darum, dass das soziale Netzwerk mehr als 60 Geräteherstellern Zugriff auf Nutzerdaten gewährt habe, berichtet die New York Times. Dabei sollen die Gerätehersteller auch Zugriff auf die Daten der Freunde eines Facebook-Nutzers und bei Bedarf noch die Daten von deren Freunden erhalten.

Aus weiteren Gerichtsdokumenten, offiziellen Facebook-Aussagen und Schilderungen von Personen, die mit solchen Vorfällen betraut sind, geht hervor, dass Unternehmen weiterhin Zugriff auf Freunde-Daten erhalten haben. Dazu gehören laut diesen Angabe der der Autohersteller Nissan sowie die größte Bank Kanadas, die Royal Bank of Canada (RBC). Beide Unternehmen hätten auf Facebook geworben oder seien aus anderen Gründen für Facebook wertvoll gewesen. So kam es zu speziellen Vereinbarungen zwischen den Unternehmen und Facebook. Mittlerweile soll es keine aktiven Vereinbarungen mehr geben. Wie lange diese liefen, ist aber nicht bekannt.

Die New York Times ging der Sache nach und hat ein Blackberry-Smartphone von 2013 eingerichtet. Nachdem die Nutzerdaten für ein Facebook-Konto im Blackberry Hub eingegeben wurden, wurden alle Daten auf das Gerät geladen. Der Hub dient dazu, alle Daten aus sozialen Netzwerken, E-Mails und SMS an einem zentralen Ort zu sammeln. Darüber hinaus wurden aber auch die Nutzerdaten von Freunden geladen. Aber damit nicht genug, auch die persönlichen Daten von Freunden dieser Freunde wurden auf das Blackberry-Smartphone gespielt.
Zunächst gelangten so die Facebook-Daten von 556 Kontakten auf das Smartphone, am Ende hatte er Zugriff auf die Nutzerdaten von 294.258 Facebook-Anwendern. Die New York Times betont, dass diese Daten auch dann weitergegeben wurden, wenn die betreffenden Personen einer Weiterleitung ihrer Daten ausdrücklich nicht zugestimmt haben.

Mit dem Vorgang vertraute Personen berichten, dass im Zuge dessen Telefonnummern der Nutzer ohne Zustimmung weitergegeben wurden. Zudem wurde ohne Einverständnis der Betroffenen der Friend Link weitergereicht, ein Verfahren, mit dem Facebook misst, wie nah sich Personen stehen.

Zwischen dem 18. und dem 22. Mai 201 hat ein angeblicher Fehler im Backend von Facebook hat im Mai offenbar dazu geführt, dass als „privat“ angegebene Einträge auf den Facebookseiten von rund 14 Millionen Nutzern stattdessen als „öffentlich“ markiert wurden. Somit konnten deutlich mehr Personen die Inhalte sehen, als von den Nutzern beabsichtigt.